Über uns

Nathalie

Auch wenn ich der Ansicht bin, dass Publikationen die Gefahr bergen, dass ein lebendiges Diskutieren und Handeln durch das Ansammeln und Konsumieren von Büchern und Broschüren und einem vergeistigten pseudointelligenten „Diskurs“ ersetzt werden, und das volle Bücherregal häufig den Sportwagen des Intellektuellen darstellt, komme ich trotzdem nicht ganz von ihnen los. Denn nichtsdestotrotz sind sie in dieser modernen Welt ein Mittel zum Austausch und zur Schärfung von Ideen, zur Weitergabe von Wissen, zur Erweiterung des Horizonts. Doch Ziel meines publizistischen Schaffens ist es sie als Mittel zu gebrauchen, das zum Handeln, zum lebendigen Austausch mit der Mitwelt, animieren soll, und nicht zum Verkriechen im verstaubten Studierzimmer und Versinken in einer geistigen Gedankenwelt. In einer Welt, in der wir immer weiter voneinander isoliert werden, in der es immer undenkbarer wird, mit jemand Fremden ins Gespräch zu kommen, in der die mündliche Weitergabe von Wissen, Erfahrungen und Weisheiten mittels Geschichten und Liedern als jahrtausendealte Tradition beinahe ausgerottet und diese Mittel mittels unterschiedlicher Medien – zu denen selbstverständlich auch Printmedien gehören – zu einer gigantischen Unterhaltungsindustrie verzerrt und in ihr Gegenteil verkehrt wurden, ist es der Versuch mittels ausgewählter Texte über metaphorische und reale Gefängnismauern hinweg Beziehungen zu knüpfen und den medial bombardierten und betäubten Geist anzuregen und aufzurütteln und die allgemeine Lethargie zu überwinden, in die wir durch die Propagandamaschinerie der Unterhaltungsindustrie versetzt werden.

Während meiner 7-monatigen Untersuchungshaft in der JVA Aichach, die mir aufgrund meiner Ideen auferlegt wurde, waren die Briefe, die mich von draußen erreichten, die wenigen Publikationen, die trotz der strengen Gedankenpolizei durch den bayerischen Knastkomplex den Weg zu mir fanden, und das eigene Schreiben – wobei ich in dieser Zeit insbesondere die Poesie, die ich vor Jahren achselzuckend in die Ecke gestellt hatte, wieder für mich entdeckte – enorm wichtig, um von der sich auferlegenden Wahrheit des Knastregimes und seiner Welt nicht erdrückt zu werden. Während die Eingeschränktheit des Schriftlichen als Kommunikationsform mir in jedem Brief, den ich schrieb, jedem Text, den ich las, entgegenschrie, und nach meiner Entlassung das enthemmte, unüberwachte, zeitlich uneingeschränkte Sprechen und sich Austauschen mit meinen Liebsten, Gefährt-innen und anderen Menschen das Schriftliche an seinen Platz als behelfsmäßige Krücke zurückverwiesen, so hat dieses meiner Ansicht nach da seinen Platz, wo uns genau diese Form der Kommunikation verwehrt oder erschwert wird, und wo wir mit einer gigantischen Propagandamaschine konfrontiert sind, die nur die eine Wahrheit kennt. Ich hoffe, dass meine Publikationen als eine derartige Krücke dienlich sein können.

Manuel

Publikationen sind für mich eine Prothese, die es erlaubt lebendige Diskussionen über Raum und Zeit und manchmal auch über (erweiterte) Freundes- und Gefährt*innenkreise hinaus zu tragen. Nur solange es gelingt, die Diskussionen dabei lebendig zu halten und sie nicht gegen tote Buch- und Zeitungsseiten einzutauschen, auf die im Stile der Akademiker und Co. irgendwelche Rechthabereien oder gar Status gestützt werden können, bewahren Publikationen ihre Berechtigung.

Ein Gedanke, eine Idee, wie sie solchen Publikationen zugrunde liegt kann logischerweise niemals als Eigentum beansprucht werden. Sie gehört allen, die sie sich zueigen machen.

Manchmal macht es zweifelslos Sinn, zu verstehen aus welcher Perspektive ein Text geschrieben wurde oder in welcher Kontinuität von Diskussionen und Projekten er steht. Die Entscheidung bestimmte Texte unter meinem Namen zu publizieren ist für mich ein Versuch, diese Kontinuitäten in gewissem Rahmen sichtbar zu machen. Er findet in einem Kontext statt, in dem der Staat versucht (hat), die Publikation von Ideen zu unterdrücken. Als er mich als Anarchist 2025 für rund sieben Monate in U-Haft steckte, mit dem Vorwurf bestimmte Texte veröffentlicht zu haben, da war für mich klar: Die Gefängnismauern und auch die totale Überwachung meines Briefverkehrs werden mich nicht dazu veranlassen meine Ideen zu verleugnen. Man kann gewissermaßen sagen, dass das Projekt Der Freiheit Tanz im Mondeslicht bereits in meiner Zelle in Stadelheim Form für mich annahm. Bewusst setzte ich damals meinen Namen unter jene Texte, die ich in meiner Zelle verfasste und sowohl innerhalb der Knastmauern, wie auch – dank der Unterstützung zahlreicher Gefährt:innen – außerhalb davon verbreitete. Einige dieser Texte werden nun zu den ersten Publikationen im Rahmen des Projekts Der Freiheit Tanz im Mondeslicht gehören. Denn klar ist: Ideen lassen sich weder wegsperren, noch verbieten!

Seit Frühjahr 2025 gebe ich auch das Magazin Fahnenflucht heraus.